Getestet:

Wonder Wall Wide-Bander


Features:

  • Portable, kompakte Antenne
  • Strahler 1,4 m
  • 10 W HF max.
  • Direkt an PL-Buchse des TRX anschraubbar
  • "Rucksackantenne"

Bild 1: Praktische Antenne für unterwegs: Wonder Wand Wide-Bander. Der Transceiver wurde auf QRP-Leistung reduziert.

Praktische Portabelantenne:

Die Wonder Wand Wide-Bander

Von der britischen Insel kommt eine winzige, praktische Antenne auf den Kontinent, die sich besonders für mobile Transceiver eignet. An den Antenneneingang eines FT-817 oder FT-857 lässt sich diese Breitbandantenne direkt anschrauben.

Die Antenne mit der Bezeichnung Wonder Wand Wide-Bander ermöglicht den Funk- und Hörbetrieb von laut Herstellerangaben 160m bis 70cm und besteht im Wesentlichen aus einem Teleskopstab (Strahler) vom 145 cm Länge (inkl. BNC-Stecker) und einem Anpassgehäuse. Zusammengeschoben besitzt der aus sieben Gliedern bestehende Teleskopstab die rucksackfreundliche Länge von nur 28 cm. Der Strahler weist am unteren Ende eine BNC-Buchse auf, mit der er sich mit dem Gehäuse verbinden lässt. Zur Verbesserung der Antennenleistung kann man den Stab über ein Gelenk in jeden gewünschten Winkel einstellen.
Das Gehäuse - es beinhaltet eine Spule mit Anzapfungen für die Amateurfunkbänder und einen Kondensator zur Anpassung des Teleskopstabs - ist 12 cm lang, etwas über 3 cm breit und 3 cm tief. Die Fontseite weist einen Drehknopf für den Kondensator und einen Stufenschalter für die Anzapfungen der Spule auf. Ebenfalls auf der Frontseite ist unten der PL-259-Stecker montiert.

Der Stufenschalter besitzt eine Skala von A bis L, der Drehknopf die Bezeichnungen von 1 bis 10. Die Vorgehensweise zur Anpassung der Antenne entspricht der Einstellung eines Pi-Filters: Nachdem die Empfangsfrequenz am Transceiver eingestellt ist, schaltet man zunächst den Stufenschalter solange durch, bis das Empfängerrauschen maximal ist. Nun folgt die Anpassung des Abstimmkondensators ebenfalls auf maximales Rauschen. Sollte das maximale Rauschen am rechten oder linken Anschlag des Kondensators zu hören sein, ist es möglicherweise nötig, nochmals den Stufenschalter nach rechts bzw. links zu schalten und dann erneut den Kondensator auf das größtmögliche Empfängerrauschen einzustellen. Eine feinfühlige Justage des Drehknopfes kann dabei entscheidende Empfangsvorteile bedeuten. Zu beachten ist zudem, dass die Sendeleistung der Wonder Wand auf 10 Watt beschränkt ist! Sendeseitig ist also nicht zu erwarten, dass mit dieser Antenne auf den unteren Bändern ein vernehmbares SSB-Signal zu erzielen ist. Für CW, JT65HF oder WSPR sieht es da schon besser aus. Das ist wohl auch dem Hersteller bewusst und erwähnt die reizvolle Option, statt des Teleskops einen Langdraht beliebigen Länge ("random wire") anzuschließen. Mit der Strahlerlänge steigt auch die Effektivität der Antenne insgesamt. So transportfreundlich die Wonder Wand Wide-Bander ist und sich am Funkgerät Platz sparend montieren lässt - wie steht es um die Sende- und Empfangsleistung? Kann eine Antenne, die ohne Massebezug auskommt, mit anderen Mobilantennen ähnlicher Strahlerlänge mithalten? Das sollen einige Versuche zeigen.


Bild 3: Die Wide-Bander wird direkt an die HF-Buchse des Transceivers aufgeschraubt.

Als Vergleichsantennen stehen zwei Mobilantennen zur Verfügung: Ein Outbacker-Nachbau für 10m - 80m und eine HF-P1 für 2m bis 80m. Die Outbacker verfügt über einen Magnetfuß und darüber eine Wendelantenne mit Anzapfungen und Kurzschlusskabel zur Wahl des Amateurfunkbandes. Darauf ist ein fester Strahler montiert, dessen Länge man an die Frequenz innerhalb des Amateurfunkbandes anpassen kann.

Die HF-P1 schließlich besitzt verschiedene Spulen und feste Elemente, die man je nach gewünschtem Amateurfunkband in definierter Reihenfolge auf den stabilen Aluminiumfuß montiert. Die Abstimmung erfolgt durch Verschieben eines Rohrelementes, das einmal mehr, einmal weniger einer Spule überdeckt. Das Verschieben des Rohres über der Spule wirkt wie das Kurzschlusskabel der Outbacker.


Bild 4: Das Test-Setup mit manuellem Antennenschalter.

Zunächst einige Eindrücke im Vergleich zur Outbacker-Mobilantenne: Um Unterschiede sicht- und hörbar werden zu lassen, wurden besonders leise und schwache Stationen gesucht. Im direkten Vergleich durch manuelles Umschalten von einer zur anderen Antenne erzielte die Wonder Wand Wide-Bander oft ein etwas leiseres Signal als die auf einem Autodach montierte Outbacker-Antenne. Auch die S-Werte auf den unteren Bändern differieren etwas. Differenzen sind aber nicht auf allen Bändern gleich stark ausgeprägt. Tendenziell ist es so, dass sie auf den unteren Bändern eher größer ausfallen als auf den höheren. Ein Grund mag sein, dass sich die effektiven Längen der Strahler von den unteren Bändern zu den hohen angleichen und die Unterschiede damit verschwimmen. Hier die gemessenen Werte für einige Kurzwellenbänder:

Outbacker: Wonder Wand:
Frequenz S-Wert Bemerkungen S-Wert Stellung der Regler Bemerkungen
1008kHz (MW) S5 gut hörbar S0 A1 Freq. unterhalb des Arbeitsbereiches, Sender sehr leise hörbar
1897 kHz S3 S2 A3 Station lesbar
3640 kHz S3 S1 C5
3712 kHz S3 S2 C6 Station gut lesbar
7156 kHz S7 S5 G5 Station gut lesbar
10101 kHz S3 S3 H7
14221 kHz S8 S6 I6
18146 kHz S1 S1 K10
21071 kHz S0 S0 K6 kein Unterschied feststellbar
21260 kHz S4 S4 K8 kein Unterschied feststellbar
24925 kHz S0 S0 L10 kein Unterschied feststellbar
28501 kHz S0 S0 L10 kein Unterschied feststellbar

Die HF-P1 wurde für den Vergleich nach Anleitung des Manuals eingestellt. Die Abstimmspule wurde nach der Zeichnung exakt justiert und anschließend die Antenne montiert. Angeschlossen waren vier Radials von je 5 m Länge, die sternförmig erdnah ausgespannt wurden. Der Antennenfußpunkt war in etwa 2 m Höhe, während die Wonder Wand Wide-Bander auf dem provisorischen Stationstisch verblieb wie beim Test zuvor. Hier die Messergebnisse:

7
HF-PL1: Wonder Wand:
Frequenz S-Wert Bemerkungen S-Wert Stellung der Regler Bemerkungen
3770 kHz S0 S0 D5 minimal leiseres Signal
3755 kHz S0 S0 D4-5 beide gleich laut
7114 kHz S4-5 S3 F7 Audio unterscheidet sich kaum
7188 kHz S5 S4-5 F7
10102 kHz S0-S1 S1-S2 digitales Signal, hier lauter (!)
14200 kHz S0 ZS6OAJ S0 I6 akustisch gleichwertig
14202 kHz S0 S0-S1 Audio gleichwertig
8140 kHz S0 S0-S1 I8-9 hier lauter (!)
18151 kHz S0 nicht lesbar S0-S1 I8 Audio soeben noch lesbar
21018 kHz S0 sehr leise S0 K4 ein wenig lauter (!)
24890-24990 kHz keine Signale keine Signale
28505 kHz S0 laute NF S0 L8 minimal lauter (!)
28490 kHz S0 S0 - Signale gleichwertig
28538 kHz S0 S0 - minimal lauter

Wie man sieht, kann die kleine Antenne gegenüber der HF-P1 ab 10 MHz aufwärts durchaus mithalten und ist in einigen Empfangssituationen sogar einen Tick lauter und verständlicher. Das verwundert umso mehr, als es sich bei der HF-P1 um eine beliebte und durchaus imposant aussehende Antenne mit guten Mobileigenschaften handelt. Die Wonder Wand Wide-Bander muss sich also nicht verstecken. Die Eigenschaften im Sendebetrieb hingegen können an die HF-P1, die auf 100 Watt ausgelegt ist, nicht heranreichen. Die zierliche Wide-Bander setzt konsequent auf QRP mit dem FT-817. Betreibt man die HF-P1 mit 10 Watt Leistung, wird sie aufgrund der Güte der Spulen und der Strahlerlänge im Vorteil sein.


Bild 5: Portabelbetrieb im Grünen.

Fazit

Alles in Allem bereitet die Wide-Bander-Antenne bei guten und mittleren Ausbreitungsbedingungen viel Freude. Nur sehr leise Stationen auf den unteren Bänder gehen evtl. verloren und bleiben dem Zuhörer verborgen. Wer keine Möglichkeit hat - oder bewusst darauf verzichtet - mehr Antennenaufwand zu betreiben, der wird mit der Wonder Wand Wide-Bander viel Freude haben - zumindest im Empfangsbetrieb. Falls es die Umgebung gestattet, sollte man die Option nutzen, den Teleskopstab gegen einen z.B. 5 m langen Draht zu ersetzen und das freie Ende möglichst hoch zu platzieren. Die Antenne ist für etwas über 110 englische Pfund bei [1] erhältlich.


Bild 6: Für den Vergleich der Wide-Bander mit der HF P1-Mobilantenne wurde die Anpassspule exakt nach der Bedienungsanleitung justiert.

Persönliche Einschätzung

Hätte ich die Wahl, so gehörte die Wonder Wand Wide-Bander durchaus zum eigenen Antennenpark. Nicht als mobile Sendeantenne im Mobil- oder Portabelbetrieb, Das ist eher der Outbacker-Nachbau geeignet. Als Empfangsantenne auf dem Balkon, der Terrasse und als Camping-Empfangsantenne ist die kleine Wide-Bander meine erste Wahl! Allerdings ist die Antenne nicht preiswert! Ein Dank geht an OM Hans-Martin, DL2DG, der mir einige Antennen und den FT-857 für Testzwecke zur Verfügung gestellt hat.

Literatur/Verweise:

[1] Wonder Wand, Homepage: http://wonder-wand.co.uk

sh2018