Sony vs. Tecsun:

Drei kompakte SSB-Empfänger im Vergleich


Features:

  • Sony ICF-SW7600GR
  • Tecsun PL-660
  • Tecsun PL-680

Sony vs. Tecsun

Drei kompakte SSB-Empfänger im Vergleich

China gegen Japan oder zwei Tecsun gegen einen Sony-Empfänger. Es treten gegeneinander an: Der Sony ICF-SW7600GR, der Tecsun PL-660 und der Tecsun PL-680. Um eine Überprüfung der Hersteller-Messwerte geht es nicht - hier gilt der subjektive Vergleich in verschiedenen Empfangssituationen. Die Ohren sollen entscheiden: Wer hat die Nase vorn?

Drei kompakte Reiseempfänger mit AM/SSB/FM und AM-Sync treten an. Alle sind Superhets für die LW, MW und die Kurzwelle. Sie bieten den Empfang von UKW und der Flugfunk in AM ist mit an Bord. Weitere Gemeinsamkeit: Sie verfügen über einen externen Antennenanschluss, werden mit 6 Volt betrieben (4 Mignon-Batterien) und besitzen für den KW-, Flugfunk- und UKW-Empfang eine ausziehbare, etwa gleichlange Teleskopantenne. Selbst die Maße ähneln sich: 18 x 12 x 4 cm passen gut ins Reise- bzw. Handgepäck. Die HF-Vorverstärker stehen für diesen Test stets in Stellung DX.

Die Referenz - der Sony ICF-SW7600GR

Der "alte" Sony gilt als hervorragender Empfänger und soll in diesem Vergleich die Referenz darstellen, an der sich die beiden Tecsun-Kandidaten messen müssen. Der Sony wird über ein Tastenfeld in der Frequenz eingestellt. Eine Tastenwippe erlaubt zudem die Änderung der Empfangsfrequenz um jeweils ein Kilohertz nach oben bzw. nach unten. Es stehen 100 Speicher zur Verfügung. Abschwächer, AM/SSB (LSB, USB) werden über Schalter und Regler an der schmalen Seite des Gerätes eingestellt. Ein Alleinstellungsmerkmal des Sony (gegenüber der beiden Tecsun) ist die LINE-Out-Buchse. Lautstärkeregler und SSB-BFO-Poti schauen nur wenig aus dem Gehäuse heraus (Rändelpoti). Eine griffige Einstellung ergibt sich so eher nicht.

Der Tecsun PL-660

Das Tastenfeld bietet auch der PL-660. An der rechten Schmalseite findet man einen Drehencoder zur schrittweisen Frequenzeinstellung (VFO), ein Poti mit Mittelrastung als SSB-BFO und den Lautstärkeregler. Die Drehknöpfe lassen sich komplett mit den Fingern umgreifen und feinfühlig justieren. Das erleichtert die Bedienung gegenüber dem Referenzgerät. Ist der Sony eher als kantig zu bezeichnen, fällt der PL-660 durch die abgerundete, gebogene Frontseite auf. Das ist Geschmackssache. Der Anwender kann zwischen den Bandbreiten schmal bzw. breit wählen. Was das genau bedeutet, darüber geben die Technischen Daten des kleines Handbüchleins keine Auskunft.

Der Tecsun PL-680

Der PL-680 ähnelt optisch und funktional sehr dem PL-660. Die Bedienung ist dieselbe, in der Bedeutung und Beschriftung der Tasten ähneln sich beide wie ein Ei dem anderen.

Den PL-660 zieren die runden Tasten, der PL-680 setzt auf das quadratische Design. Das Gehäuse besitzt eine plane Fronseite und ist eher mit dem des Vorgängers PL-880 (mit SDR-Chip) zu vergleichen. Legt man beide Tecsun nebeneinander, könnte man zu der Vermutung gelangen, dass sich in beiden dieselbe Platine befinden könnte. Geöffnet wurden die Geräte jedoch nicht. Es sollen die Leistungen im Betrieb für sich sprechen. Also geht's los:

MW 1421 kHz bei Tagesdämpfung, Empfang in NRW

Die drei Empfänger liegen am einem Spätsommermittag nebeneinander weitab von Störungen im Gras. Die MW-Ferritantennen sind in dieselbe Richtung auf maximalen Empfang ausgerichtet. Damit sich die Empfänger (mit gleichen ZF-Frequenzen) nicht gegenseitig beeinflussen oder gar stören können, ist zum Empfang nur der jeweils getestete Empfänger eingeschaltet.

Sony: Das Radioprogramm ist gut verständlich, wenn auch die Feldstärke gering ist. Ein leichtes, aber vernehmbares, helles Rauschen ist zu bemerken. Das Signal-Rauschverhältnis ist recht gut, aber die Bedienung des Sony gerät recht umständlich. Beispiel: Um eine Frequenz über das Tastenfeld einzutippen, sind zuvor der Taster DIREKT, dann die Ziffern und zum Abschluss EXE zu betätigen. Die Einstellung des BFO gelingt doch ohne Probleme auch bei dickeren Fingern.

PL-660: Das Programm ist gut verständlich bei etwa demselben Rauschanteil wie beim Sony. Das lässt auf eine vergleichbare MW-Empfindlichkeit schließen. Das NF-Signal klingt jedoch ausgewogener. Der Sony klingt heller, unabhängig davon, ob der Schalter TONE auf NEWS oder MUSIC eingestellt ist. Beim PL-660 sind die Stellungen TONE = TREBLE / BASS möglich. Die NF-Bandbreite scheint beim PL-660 größer zu sein und den unteren bereich eher zu erfassen. Dagegen klingt der Sony so, als sei ein Hochpassfilter am Werk, das die unteren Frequenzen dämpft. Somit klingt das Programm der Mittelwelle in meinen Ohren auf dem PL-660 "runder". Im Verlauf des Vergleichs nahm die Feldstärke etwas ab bei leichtem Vorteil des Sony. Der ist auf der MW etwas empfindlicher, der Tecsum PL-660 hat dagegen den angenehmeren Klang.

PL-680: Der Empfang ist auch verständlich, doch mit hörbar höherem Rauschanteil, während beim Sony der Rauschanteil nur gering ist. Nur eine mäßige Empfindlichkeit des PL-680 ist auf der MW festzustellen, obwohl der HF-Vorverstärker in Stellung DX ruht. Der Sony gibt ein deutlich besseres Bild ab. Selbst gegenüber seinem Bruder PL-660 fällt der PL-680 in Sachen MW-Empfindlichkeit deutlich zurück.

3752 kHz, LSB, Tagesdämpfung

Es ist Contestzeit (SSB). 9A0HQ sendet mit viel Power und ist dennoch um diese mittägliche Uhrzeit nur mäßig stark zu hören. Die Antennen der drei RX zeigen gemeinsam in dieselbe Richtung. "Möchtest du Aliens abhören?" war die verdutzte Frage einer Bekannten beim Anblick der Antennen, als sie gerade mit dem Fahrrad an meinem Rastplatz in der Natur vorbeifuhr. Der Sony demoduliert gut lesbar bei leichtem Rauschen. Heller Klang des NF-Signals wie zuvor bei der Mittelwelle beschrieben.

PL-660: gut lesbar, vergleichbar mit dem Sony. Die dunklere Tonfarbe des PL-660 macht sich nun ein wenig negativ bemerkbar, weil das hellere NF-Signal eher durchdringt. Die Umschaltung auf die schmale Bandbreite verringert das Rauschen. Sehr leise Stationen, die der OM anruft, sind vernehmbar, doch weder beim Sony noch im PL-660 lesbar. Die subjektive Empfindlichkeit ist etwa dieselbe. In dieser Empfangssituation scheinen beide RX gleichwertig.

PL-680: 9A0HQ hat nach vergeblichem Rufen die Frequenz gewechselt, sodass der PL-680 nicht mit demselben Signal verglichen werden kann. Zu Hilfe kommt eine leise Station auf 3704 kHz (OE0HQ), ebenfalls ein fleißiger Contestrufer. Im Sony kommt die Station sehr schwach im Rauschen an, aber noch gerade lesbar. Der Empfang mit dem PL-680 ist ruhiger bei weniger Rauschen und besserer Lesbarkeit. Hier kann der PL-680 gegenüber dem Sony punkten. Weil die Station ohne QRM auf dem Band ruft, ist die etwas rundere Tonfarbe des Tecsun durchaus angenehm. Inzwischen liegt das Signal- Rauschverhältnis nahe der Hörbarkeitsgrenze - bei allen drei RX.

7200 kHz, LSB, Mittags

Auf dem Sony ist der OM vom Bodensee mit etwas QRN durch Blitz und Donnerwetter und bei einem geringen, hellen Rauschanteil recht gut lesbar an. Auf dem 40-m-Band wird darüber gemutmaßt, ob die schlechten Ausbreitungsbedingungen dem Mögel-Dellinger-Effekt zuzuordnen sind. Das trifft meines Erachtens aber kaum zu.

PL-660: Station ist gut lesbar bei geringerem Rauschanteil und ausgewogenem Klangbild.

PL-680: Hier ergibt sich exakt dieselbe Empfangsleistung. Mit dem BFO-Regler lässt sich die Frequenz gut auf ein gutes Klangbild regulieren. Das gilt für alle drei getesteten Empfangsgeräte.

14.200 kHz, USB, Nachmittags

Sony: Die starke Station aus Griechenland ist mit nur geringem Rauschen und hohem Signal-Rauschverhältnis gut vernehmbar. Bester Empfang.

PL-660: Ebenfalls ein bester Empfang lässt sich für den PL-660 feststellen. Das NF-Signal hört sich an, als stehe man neben dem Operator in seinem Shack. Kraftvolle NF aus dem Lautsprecher.

PL-680: Empfang wie beim PL-660 beschrieben, doch scheint der Ton aus dem Lautsprecher nicht ganz so kraftvoll. Ein subjektives Empfinden.

Die griechische Station ist relativ stark, so achtet man eher auf die anrufenden, leisen Stationen. Ein anrufender Franzose, etwas neben der Frequenz und leise, ist auf allen drei Empfängern zu hören und zu lesen. Dabei ist die Lesbarkeit auf den Tecsun-RX ein wenig besser aus beim Sony. Es fällt auf, dass man beim PL-680 den Lautstärkeregler weiter aufdrehen muss als beim PL-660. Das gilt für den SSB-Empfang. Um draußen in der Natur eine gute "Zimmerlautstärke" zu erreichen, muss der Lautstärkeregler fast komplett aufgedreht sein. Beim PL-660 reicht dazu ungefähr ein Drittel der Umdrehung des Lautstärkereglers aus.

15520 kHz, AM, Nachmittags

Sony: Die AM-Radiostation bringt Nachrichten. Der Rauschanteil beträgt ca. 40%, die Sprache ist auf dem Referenzempfänger gut verständlich. Das Signal weist etwas Fading auf.

PL-660: Auf diesem Empfänger ergibt sich in etwa dasselbe Bild. Das eher dunklere Rauschen klingt angenehmer und ruhiger. Die Umschaltung auf die schmale Bandbreite beruhigt das NF-Signal weiter.

PL-680: Empfang wie beim PL-660 beschrieben. Inzwischen ist die Feldstärke des Radiosenders zurück gegangen. Auf dem Sony ist die Sprache nur noch schlecht lesbar, auf dem PL-680 ein wenig besser.

15548 kHz, AM, Nachmittags

Sony: Der RX empfängt ein stark verrauschtes Signal, die Sprache ist teils unverständlich. Fading.

PL-660 und PL-680: Die Ohnen meinen: Ein kleines Stückchen weniger verrauscht, etwas klarere Wiedergabe der Sprache. Die Tecsun punkten.

21015 kHz, CW, Nachmittags

Eine einsame Station ruft CQ. Das Signal ist sehr leise und ungestört. Im Phoniebereich ist keine Station zu hören. Die CW-Aussendung ist gut lesbar.

PL-660 und PL-680: Die CW-Statioin ist auf beiden Empfängern ebenso gut zu hören wie auf dem Sony-Empfänger. Bei längerem Zuhören entsteht der Eindruck, als sei das CW-Signal auf dem PL-680 ein ganz kleines Stück weniger klar und rein hörbar.

90.60 MHz, FM breit, Nachmittags

Sony: Die Feldstärke am Empfangsort ist noch als gut zu bezeichnen, reicht für eine rauschfreie Stereowiedergabe allerdings nicht aus. Der Sony bringt das inzwischen gewohnte, weniger bassbetonte NF-Signal auf den Lautsprecher. TONE ist auf MUSIC eingestellt, die Umschaltung auf TONE=NEWS verändert den Ton nur wenig in etwas dunklere Sphären.

PL-660: Die NF aus dem Lautsprecher klingt ein wenig übersteuert (angekratzt). Der erste Gedanke: Sollte im Empfänger mechanisch etwas schwingen, was es nicht soll? Die eingestellte Lautstärke ist gering genug, als dass das Chassis ins Schwingen geraten sollte. Der Effekt ist bei vielen UKW-Sendern zu konstatieren und lässt sich mit TONE=BASS nur etwas mildern, aber nicht beseitigen. Hier enttäuscht der PL-660. Die Lösung - eine makellose Tonwiedergabe - brachte schließlich die Einstellung der Frequenzanzeige 10 kHz oberhalb der realen Sendefrequenz des Radiosenders. Ein Fehler, der nur dieses spezielle Gerät betrifft oder ein Makel der kompletten Fertigungsserie?

PL-680: Kurz gesagt: Der PL-680 erfreut mit einem Top-Empfang. Makellos. Hier punktet der PL-680 deutlich gegenüber seinem "Bruder" mit einem besseren Abgleich.

Fazit

In einem anderen Test wurde der Tecsun PL-880 (mit SDR-Chip) getestet und dessen SSB-Verständlichkeit bemängelt. Diesen SSB-Kratzeffekt weisen die hier getesteten Kandidaten nicht auf. Sony als auch beide Tescun-Kompaktempfänger bringen das demodulierte SSB-Signal sehr klar zum Lautsprecher. Im Vergleich zum Sony erweist sich der PL-660 auf der Mittelwelle als gleichwertig, während der PL-680 weniger empfindlich ist - nichts für den MW-DXer. Auf der kurzen Welle in SSB tun sich die Empfänger nicht viel bei einem leichten Vorteil für die beiden Tecsun betreffend der Lesbarkeit. Vielleicht steckt in beiden Tecsun exakt dieselbe Platine? Ob man den helleren Klang des Sony - gut für SSB - oder das etwas eher bassbetonte Klangbild der Tecsun-Empfänger - gut für Radioprogramme - bevorzugt, ist letztendlich Geschmacksache. Persönliche Beurteilung: In meinen Ohren klingen die Tecsun etwas runder und angenehmer. Auf UKW enttäuscht der PL-660 wegen seines leicht angekratzten Tonbildes, das man nicht lange hören möchte. Hier ist der PL-680 zu bevorzugen. Die Hörgewohnheiten sind entscheidend: Neben SSB auf den KW-Bändern läuft das Radio bei mir viel auf UKW. Beides kann der PL-680 gut. Inzwischen finde ich die runden Tasten des PL-660 sowie die gebogene Front ansehnlicher als das eckige, kantigere Design des PL-680. Dennoch: Es kommt auf den Empfang an.