Getestet:

Mini60 Antennen-Analysator


Features:

  • Mini 60 (Nachbau des SARK100)
  • SWV-Antennen-Analysator
  • 1 bis 60 MHz (KW / 6m-Band)
  • passt in die Hemdtasche
  • Anbindung an den PC per USB möglich
  • Grafikausgabe per PC und Excel möglich

Mini60

Bild 1: Der Analyzer MINI 60 misst unterwegs SWR, Impedanz (Real- und Imaginäranteil).

SWR-Analysator:

China-Nachbau MINI 60

Über verschiedene Online-Vertreiber (Stand 2014/2015) wird seit geraumer Zeit ein China-Nachbau des von Melchor Varela, EA4RBF, entwickelten SWR-Analysators SARK100 unter der Bezeichnung Mini 60 vertrieben. Das handliche Gerät verspricht eine leichte Ermittlung wichtiger Antennenparameter - auch unterwegs auf dem Fieldday oder im Urlaub. Mit der richtigen Software wird es zum HF-Analysator.

Verlieren wie einige Worte zum Original, dem SARK100. Er wurde 2010 entwickelt und als Bausatz auf dem Markt gebracht. Das war etwas für Lötspezialisten - die Handhabung vieler kleiner SMD-Bauteile unterschiedlichster Gehäuseform ist nicht jedermanns Sache. Den SARK100 gibt es inzwischen nicht mehr zu kaufen. An dessen Stelle trat der mit einem schicken Grafikdisplay versehene SARK110, der allerdings deutlich teurer ist [1]. Wenn es also um einen kostengünstigen SWR-Analysator gehen soll, gelangen wir fast automatisch zurück zum kleinen MINI 60.

Bild 2: Im MINI 60 wurde die Beschriftung der Chips unkenntlich gemacht. Als DDS dient der altbekannte AD9851.

Erster Eindruck

Der Analysator liegt gut in der Hand und ist so groß wie eine Zigarettenschachtel. Das stabile Gehäuse besteht aus Metall, besitzt eine leicht raue, schwarz lackierte Oberfläche und weist 6 rote Drucktasten, eine kleine LC-Anzeige (2 x 16 Zeichen) mit Hintergrundbeleuchtung, einen Spannungsanschluss für 12 bis 14 Volt (13,8 Volt) und eine USB-Minibuchse auf. Den Anschluss zur Antenne bildet eine PL239-Buchse.

Die Bandbreite des Gerätes ist für alle Amateurfunkbänder von 160 bis 6 m ausgelegt. Nach dem Einschalten über den stabilen Kippschalter neben der Antennenbuchse erscheint kurz die erste Textanzeige, welche "XUXU Studio V1" als Hersteller bzw. Bezeichnung preis gibt. Sodann schaltet es in den Messmodus um - ohne weitere Bedienung springt die Frequenzanzeige auf 14.100 kHz und präsentiert in der zweiten Zeile das gemessene SWR (1..10) und die Antennenimpedanz (0…2000 Ohm). Über die Tasten UP und DOWN lässt sich die Frequenz in 10 kHz-Schritten verändern. Die Schrittweite lässt sich über SET ändern. Ohne Bedienung geht das kleine Ding nach ca. 30 Sekunden in den Stromsparmodus - dann "schläft" es und die Anzeige ist ausgeschaltet. Betätigen einer Taste weckt es wieder auf.

Über BAND schaltet man auf das nächste höhere Amateurfunkband um. Nach dem 6-m-Band geht es nach erneutem Druck auf dem 160-m-Band ganz unten los und so immer rund. Drückt man SCAN, startet ein Frequenzlauf ab der eingestellten Frequenz aufwärts für das Amateurfunkband und ermittelt für den abgefragten Bereich das beste SWR und präsentiert die dazu gehörende Frequenz und die Speisepunktimpedanz. Das ist praktisch, so ist der Anwender flott darüber informiert, ob etwa der neu aufgebaute Portabel-Dipol gerade richtig, zu lang oder zu kurz ausgefallen ist.

Der Analysator nimmt die Spannung über die - wen wundert es - dafür vorgesehene Hohlbuchse entgegen und lädt dabei den internen 3,7-Volt-Lithium-Akku. Das Laden ist zudem über die USB-Minibuchse möglich. So ist der Akku auch dann unterwegs oder im Urlaub geladen, wenn keine 13,8 Volt vorhanden sind, aber ein Smartphone in der Nähe ist, dessen 5-Volt-Netzteil mit USB-Ministecker man für das Aufladen nutzen kann. Eine rote LED leuchtet, wenn der Akku geladen ist.

Im Modus "Impedanzmessung" - dazu ist einmal die MODE-Taste zu drücken, zeigt Frequenz und Impedanz an, letztere als Real- und Imaginäranteil (+j = induktiver, -j = kapazitiver Anteil). Als weitere Modi stehen die Messung der Kapazität und der Induktivität zur Verfügung.

Per USB an den PC

Verbindet man den Analysator über ein USB-Kabel mit dem PC, steht ein neuer virtueller COM-Port im Windows-Gerätemanager (Window 7: Systemsteuerung -> Hardware und Sound -> Gerätemanager) zur Verfügung. Voraussetzung ist der zum Betriebssystem passende FTDI-Treiber, soweit die Installation nicht schon für andere Zwecke geschehen ist. Da der SARK100-Nachbau über keine eigene Bedienungsanleitung verfügt - er wird ohne jegliches Stück Papier ausgeliefert - muss die in Englisch verfasste SARK-100-Anleitung (auf der DVD) die nötigen Informationen liefern. Die Kommunikation mit dem MINI 60 ist über ein Terminalprogramm bei einer Baudrate von 57600, 8N1 möglich. Es stehen Befehle wie FREQ für das Setzen einer Frequenz, IMP für die Abfrage der Impedanz und SCAN für einen Suchlauf mit Ausgabe der Impedanzen bei einstellbarer Schrittweite möglich. Wer Excel benutzt, hat die Möglichkeit, derlei übermittelte Daten mittels einer Software in Excel als hübsche Kurven sichtbar werden zu lassen und darüber hinaus viele Auswertungen anzeigen zu lassen (siehe Kasten). Das funktioniert mit folgenden, recht einfachen Schritten:

Bild 3: Über USB mit einem PC verbunden, antwortet MINI 60 auf Befehle wie FREQ und SCAN. Im Bild ein Terminalprogramm.

Bild 4: Eine hier nicht getestete, erweiterte Version des MINI 60 kommuniziert via Bluetooth mit einem Tablet-PC oder Smartphone. Quelle: Vertrieb.

Schritt 1:

MINI 60 an den PC über ein passendes USB-Kabel anschließen, das Gerät einschalten und in der Systemsteuerung im Geräte-Manager nachsehen, welcher COM-Port von Windows zugewiesen wurde (z.B. COM3). Sie benötigen zudem MS Excel installiert auf ihrem PC. Nun drücken Sie auf dem MINI 60 auf SET und es erscheint im LC-Display die Meldung PC-Link. Drücken Sie dann die DOWN-Taste. In der zweiten Zeile des LCD ist Waiting Link zu lesen.

Schritt 2:

Im Downloadbereich sind allerlei Dateien zu diesem Beitrag angelegt. Mit dem Windows-Explorer kopieren Sie nach dem Auspacken das Verzeichnis Mini60Analysator und alle Unterverzeichnisse in ein leeres Verzeichnis der Festplatte, z.B. C:\Mini60. Im Unterverzeichnis SARK Data Import\PCC-SARK100 finden Sie mehrere Dateien mit der Endung BAT. Diese Textdateien enthalten Befehle, um das Programm PCC-SARK100.EXE, das sich im selben Verzeichnis befindet, mit den erforderlichen Parametern zu starten. Öffnen Sie eine BAT-Datei. Darin ist COM7 eingestellt. Ändern Sie den Wert auf den zuvor ermittelten COM-Port, den ihr PC dem MINI 60 zugewiesen hat. PCC-SARK100.EXE liest Rohdaten zeilenweise aus dem MINI 60 aus und speichert sie in eine CSV-Datei, die sich mit Excel lesen lässt. Eine CSV-Datei ist eine Textdatei, die Zahlenreihen enthält, deren Werte durch ein Komma oder Semikolon getrennt sind und die Dateiendung CSV aufweist.

Die BAT-Datei sieht beispielsweise wie folgt aus:

rem
rem Export von Daten aus MINI60 -> CSV-Datei zum Import in Excel Zplots
rem Scan von 1 MHz bis 30 MHz in 500 kHz-Schritten
rem
rem -c = COM-Port, -s Start-Frequenz (Hz), -e Ende-Frequenz (Hz),
rem -t Schrittweite (Hz) -o Name der Ausgabedatei mit Endung CSV
pcc-sark100 -cCOM7 -s1000000 -e30000000 -t500000 -oAnt1MHz_30MHz_scan.csv
pause

Bild 5: Datenexport per USB mit PCC-Sark100.exe: Während das Programm arbeitet, sind die Rohdaten der zukünftigen CSV-Datei zu sehen.

Schritt 3:

Nach Ändern der BAT-Datei speichern sie diese ab. Auf dem LCD des MINI 60 sollte weiterhin Waiting Link zu lesen sein. Starten Sie die BAT-Datei mit einem Doppelklick. Auf dem Bildschirm erscheint ein schwarzes DOS-Fenster (Bild 5) und es sind vier Spalten von Zahlen zu sehen. Nach Beendigung des Programms drücken Sie eine beliebige Taste, das DOS-Fenster verschwindet.

Schritt 4:

PCC-SARK100 hat nun die CSV-Datei erstellt, die sich mit Zplots.XLS lesen lässt. Starten Sie Zplots.XLS, Excel erscheint. Eventuell weist Excel darauf hin, dass Makros aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet wurden. Setzen Sie die Sicherheitsstufe im Menü Extras -> Makro -> Sicherheit herunter (der Weg bezieht sich auf Excel 2003), speichern ZPlots.XLS ab, verlassen Excel und starten zPlots.XLS neu..

Bild 6: Die durch PCC-Sark100.EXE erzeugte CSV-Datei wurde in Excel eingelesen, aufbereitet und sind als Kurven sichtbar. Vielfältige Auswertungen sind möglich.

Schritt 5:

Über den Button Load Data wählen Sie die eben erstellte CSV-Datei - z.B. die Ant20m_scan.csv - aus und Excel liest sie in Nullkommanichts in den Arbeitsspeicher. Sie können die Tabelle Data einsehen, welche die aus der CSV-Datei gelesenen Rohdaten bereits berechnet und in verschiedenen Datenreihen (Spalten der Tabelle) einsortiert hat. Die SWR-Kurve sollte in der Tabelle Custom zu sehen sein (Bild 6). Experimentieren Sie mit Zplots.XLS und lassen sich andere Dateireihen anzeigen.

Bluetooth und Apps

Neben dem hier vorgestellten Mini 60 gibt es auch eine erweiterte Version des SWR-Analysators mit Bluetooth-Funktion. In Zusammenarbeit mit einer App für Tablets und Smartphones zeigt die App SWR-Kurven und Smith-Diagramme auf dem Tablet bzw. Smartphone an. Damit wird aus dem kleinen Mini 60 ein grafischer Antennenanalysator. Bei Youtube.com illustriert ein Video, wie man Daten aus dem MINI 60 in den PC exportiert [2].

Mit Software und PC bzw. App und Tablet-PC sind folgende Messungen möglich:

Fazit

Das Gerätchen wird seit geraumer Zeit konstant bei bekannten Onlinehändlern angeboten. Um es zu finden, weisen die Suchbegriffe "SARK100 HF Analyzer MINI 60" oder nur "Mini60" der Weg dorthin. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen wurde es für etwas über hundert Euro angeboten. Ein Vertrieb über bodenständige Amateurfunkhändler des deutschsprachigen Raumes ist bisher nicht bekannt. Das Gerät gefällt gut. Unterwegs nimmt es wenig Platz in Anspruch und passt auch in die Hemdtasche, die wichtigsten Antennenparameter wie SWR, Impedanz etc. sind dank simpler Bedienung schnell ermittelt. Weitere Auswertungen sind in Verbindung mit einem PC und der beschriebenen Software möglich. Damit wird der SWR-Analysator zum HF-Antennen-Analyzer. Ein großer Nachteil ist das fehlende deutschsprachige Handbuch zum MINI 60, als Ersatz dient das englische SARK100-Handbuch. Zum Download finden Sie das Handbuch als PDF-Datei, die Software zur Erzeugung der CSV-Dateien (PCC-SARK100.EXE) und ZPlots.XLS für Excel.


Download von Dateien zu diesem Projekt

Weitere Dateien und Programme zu diesem Text stehen zum Download bereit (mini60.zip). Und hier geht es zum Download.