Einführung:

Antennenbau mit 4NEC2 und NEC2

Abb.: Hauptfenster

Bild 1: Das 4NEC2-Hauptfenster. Es informiert über die wichtigsten Antennenparameter und ist zentrale Steuerstelle für alle Fenster.

NEC2 ist ein Programm zur Berechnung der elektromagnetischen Eigenschaften von Antennen. Für militärische Zwecke wurde es 1981 von G. J. Burke und A. J. Poggio entwickelt. 4NEC2 ist eine grafische Oberfläche zu NEC2, die von Arie Voors in den Niederlanden programmiert wurde, um die Bedienung von NEC2 für viele Anwender zu vereinfachen bzw. erst zu ermöglichen. Dieser Beitrag zeigt die Geburt eines 3-Element-Beams mit Hilfe von 4NEC2.

Zu 4NEC2 gibt es eine 3D-Erweiterung. Diese und 4NEC2 sind als Zip-Datei vorhanden und entpuppen sich nach dem Auspacken als installierbare EXE-Datei. Die 3D-Erweiterung (engl.: 3d extension) benötigt Direct X installiert auf dem PC mit Windows XP. 4NEC2 und dessen Erweiterung sind Freeware und stehen im Internet zum Download bereit. Nach der Installation schmücken einige neue Symbole den Desktop. Mit einem Klick auf das 4NEC2-Symbol startet das Hauptfenster „Main“. Von „Main“ aus gelangt man über Symbolbuttons der Funktionsleiste oder über Funktionstasten zu weiteren Fenstern. In einem ersten Überblick sind von links nach rechts:

Antennenmodell öffnen

Es erscheint die Dateibox zum Öffnen eines Antennenmodells. Mit 4NEC2 kommen viele bereits definierte Antennenmodelle auf den PC. In den meisten Fällen ist es nicht nötig, ein Antennenmodell komplett neu zu definieren, besser ist es, der 4NEC2-Beginner bezieht sich auf ein Antennenmodell und ändert es nach eigenen Wünschen ab.

Save Output File as...

Nach Berechnen einer Ausgabedatei (engl.: output file) kann diese zur weiteren Verwendung abgespeichert werden. So gehen Berechnungen nicht verloren.

Abb.: Geometrie

Bild 2: Das Geometriefenster zeigt die modellierte Antenne als Drahtmodell. Weitere Einblendungen für Strom, Phase etc. informieren über die Leistung der Antenne.

Geometry -Geometrie

Dieses Fenster skizziert Form und Maße der Antenne als Drahtmodell. Das Antennengebilde lässt sich beliebig mit der Maus um drei Achsen drehen, ein- und auszoomen und stellt grafisch u.a. den Stromverlauf dar.

3D Viewer – 3D-Betrachter

Das Fenster ermöglicht die Darstellung der horizontalen und vertikalen Abstrahlung als dreidimensionales Bild.

Edit NEC Input File

Ein Klick auf dieses Symbol zeigt die Textdatei mit den NEC-Definitionen, die zusammen das Antennenmodell definieren.

Abb.: Pattern

Bild 3: Die Richtcharakteristik horizontal und vertikal ist in diesem Fenster „Pattern“ abzulesen.

Far/Near Field

Diese Funktion öffnet – nachdem eine Berechnung des Nah- bzw. Fernfeldes über das Symbol „Taschenrechner“ erfolgt ist, das Fenster „Pattern“. Es zeigt in einem Diagramm die berechnete horizontale und vertikale Abstrahlung. Von der einen zur anderen Ansicht gelangt man durch Drücken der Leerzeichentaste.

Abb.: Impedanz/SWR

Bild 4: Nach Berechnung über einen Frequenzbereich (Frequenzschleife = frequency loop) informiert dieses Fenster über das SWR und auf Wunsch über den Antennengewinn.

Impedance/SWR

Ein Klick auf dieses Symbol zeigt, nach einer Berechnung der Impedanz und des SWR über das Symbol „Taschenrechner“ (dort: „Use frequency loop“) das berechnete Stehwellenverhältnis und anderer frequenzabhängiger Parameter.

Abb.: Smith Chart

Bild 7: Ein Smith-Chart zeigt das Anpassverhalten der Antenne.

Smith-Chart

Zeigt den Smith-Chart nach einer Berechnung eines Antennenmodels. Die Grafik gibt Auskunft über die Anpassung der Antenne an z.B. ein 50-Ohm-Antennenkabel oder Senderausgang.

View Output Data

Zeigt die berechneten, umfangreichen Ausgabedaten in einem Editor wie beispielsweise Wordpad an. Damit 4NEC2 Wordpad.exe starten kann, muss der Verzeichnispfad unter „Settings / Folders“ korrekt eingetragen sein.

Abb.: Generate

Bild 5: Dieser Dialog wird über das Taschenrechner-Symbol aufgerufen. Hier wählt der Anwender, welche Antennenparameter zur Berechnung anstehen.

Generate

Die Funktion hinter dem Symbol „Taschenrechner“ berechnet die Ausgabedaten für die bisher beschriebenen Fenster. Nach dem Öffnen eines Antennenmodells sind in „Main“ alle Felder leer. Nach dem Klick auf das Symbol „Taschenrechner“ erscheint eine Auswahl, was zu berechnet ist. Zuerst wählt man die Option „Use original file“. Anschließend sind die Felder in „Main“ gefüllt und im Fenster „geometry“ ist die Antenne als Drahtmodell zu sehen. Anschließend werden weitere Berechnungen aufgerufen, z.B. für das Nah- oder Fernfeld, für das SWR und so weiter.

Abb.: Optimierer

Bild 6: Optimierungen sind nur mögIich, sofern das Antennenmodell nicht mit „Geometry Edit“ erstellt wurde. Das Antennenmodell muss mindestens eine zu verändernde Variable (Symbol) enthalten.

Start Optimizer

Sofern im Antennenmodell – also der *.nec-Datei – ein Symbol (SY) definiert wurde, ist eine Optimierung möglich. 4NEC2 spricht in diesem Zusammenhang einmal von einem Symbol, ein anderes Mal synonym von einer Variable. Ohne Symbol bzw. Variable ist keine Optimierung der Antenne möglich.

Abb.: Stub matching

Bild 8: Symmetrisch gespeiste Antennen können per Stub angepasst werden.

Abb.:RLC-matching

Bild 9: Auch ein Pi- oder T-Filter ist möglich.

Generate Geometry (1:1)

Ist dieser Button wählbar, gelangt der Anwender zu einem Fenster, dass Anpassung ermöglicht bzw. berechnet. Sie kann über Stubs oder RLC-Netzwerke erfolgen.

View NEC-User Manual

Das NEC-Benutzerhandbuch (in englisch) steht unter www.nec2.org zum Download zur Verfügung und ist nicht Bestandteil der 4NEC2-Software. Laden Sie das Dokument und speichern es als „NEC2.DOC“ in das Verzeichnis „4nec2“.

Show 4NEC2 Help

Falls die Hilfedatei nicht gefunden wird, beantworten Sie die Frage “Möchten Sie selbst nach ihr suchen” mit „Ja“ und wählen im folgenden Dateidialog die Hilfe-Datei im Verzeichnis „4nec2/exe“ aus. Beim nächsten Aufruf der Hilfefunktion steht der englischsprachige Hilfetext zur Verfügung.

Nach diesem ersten Überblick sollte sich jeder neue Anwender mit einigen NEC-Dateien aus dem Unterverzeichnis „HF-simple“ befassen, um ein ersten Gefühl für das Programm zu entwickeln. Noch einige Vorbemerkungen zum Programm: In Anbetracht der Tatsache, dass NEC2 unter DOS – bei Windows XP – in der DOS-Box läuft, gilt die alte Beschränkung der Dateinamen auf acht Zeichen plus Extension, auch als 8.3-Format bekannt. Vor dem Punkt dürfen es also nur acht Zeichen sein, hinter dem Punkt drei, also „nec“. Ein gültiger Dateiname würde also „test.nec“ lauten.

Ist eine NEC-Datei geladen, betätigt man den „Generate“-Button (Symbol „Taschenrechner“), um eine Berechnung auszulösen. 4NEC2 startet die NEC-Maschine , worauf die schwarze DOS-Box erscheint. Je nach Leistungsfähigkeit des PC, der Speicherausstattung und der geforderten Berechnung kann es eine mehr oder weniger lange Zeit dauern, bis sich auf dem Bildschirm etwas verändert. Ein Trugschluss wäre, anzunehmen, das Programm wäre abgestürzt. Nach einiger Zeit verschwindet die DOS-Box und 4NEC2 präsentiert die Resultate in einem neuen Fenster.

Mit der 3-D-Darstellung kann es bei älteren Grafikkarten Probleme geben. Weiterhin muss Direct X 8.0 oder neuer installiert sein. Gegebenenfalls muss auf die 3-D-Darstellung verzichtet werden. Sollten Probleme beim Start von 4NEC2 auftreten, ist die Lektüre von “_Readmefirst.txt“ zu empfehlen. Diese Textdatei, wie auch ein englischsprachiges Tutorial “_GetsStarted.txt“, ist im Installationsverzeichnis „4nec2“ zu finden. Und als letzten Tipp, bevor es losgeht, sei folgendes erwähnt: Windows XP Nutzer , die SP2/3 (Service Pack 2 oder 3) installiert haben, sollten unbedingt die Textdatei „_Run_DOS_Problem.txt“ studieren. Möglicherweise sind einige wenige Dateien von einem Verzeichnis in ein anderes zu kopieren, damit 4NEC2 die 16-Bit-Technologie in Windows XP benutzen kann. Auch wenn es etwas kompliziert sein mag, bis 4NEC2 auf dem eigenen PC anstandslos läuft: Von derlei Kleinigkeiten sollte sich niemand von 4NEC2 abhalten lassen!

Antenne modellieren

Im nächsten Schritt geht es darum, einen kleinen 3-Element-Beam für das 20-m-Band zu entwerfen, zu berechnen und zu optimieren. Folgen Sie bitte dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Setzen Sie in „Main“ unter „Settings“ die Option „Geometry Edit“. Zum Erstellen eines Antennenmodels wird 4NEC2 den „Geometry Editor“ starten.

Rufen Sie im Menü „Edit“ die Funktion „Input (.nec) file“ auf. Wählen Sie eine beliebige Nec-Datei aus, der Geometrie-Editor startet.

Im Geometrie-Editor wählen Sie im Menü „File“ die Funktion „New“. Sie erhalten eine leere Arbeitsfläche.

Zuerst wird die Frequenz eingestellt. Dazu betätigen Sie den Button, der eine Sinuswelle im Koordinatenkreuz zeigt (zweiter Button von rechts). Tragen Sie unten rechts im Fenster für das 20m-Band z.B. „14.2“ in das Eingabefeld ein (ohne Anführungszeichen) und bestätigen mit der Enter-Taste oder der Tabulatortaste. Eine Zeile tiefer ist die berechnete Wellenlänge zu sehen.

Nun wollen wir den ersten Draht für das gespeiste Element ziehen. Dazu schalten Sie auf die X-Z-Darstellung um (der zweite Button von rechts, direkt neben „3D“).

Stellen Sie die Schieberegler für „Zoom“ und „Grid“ (Raster) so ein, dass ein 10m langes Element auf die Arbeitsfläche passt bei einem Raster von einem halben Meter. Falls das nicht auf Anhieb gelingen will, begnügen Sie sich mit einem Raster von einem Meter. Die Länge der Elemente können wir später jederzeit korrigieren.

Betätigen Sie den Button „Wire geometry“ (rechts neben „Del“) und anschließend den Button „Add“, um in den Hinzufügen-Modus zu gelangen.

Auf ungefähr halber Stecke zwischen Z und Y zeichnen Sie von Position –5 (links der gedachten Mittellinie) bis +5 (rechts der gedachten Mittellinie) einen horizontal verlaufenden „Draht“. Dazu setzen Sie die Maus auf Position –5 Meter an, halten die Maustaste gedrückt und ziehen waagerecht bis zur Position +5 Meter. Die Positionen lesen Sie unten rechts im Fenster ab. Am Zielpunkt angekommen, lassen Sie die Maustaste los. Das Vorgehen unterscheidet sich nicht von dem, wie man in üblichen Grafikprogrammen eine Gerade zieht.

Ein Dialog poppt auf, der die Eingabe des Radius des Drahtes verlangt. Für unseren Beam können wir den Wert auf „1“ belassen. Das entsprecht einem Drahtdurchmesser von 2 mm. Sie sehen, wir bauen einen virtuellen Drahtbeam – der Einfachheit halber.

Falls Sie die korrekten Positionen nicht treffen konnten, korrigieren Sie Länge und Position des Drahtes auf der Arbeitsfläche wie folgt: Klicken Sie rechts neben „Add“ auf den Pfeil-Button. Sie befinden sich nun im Verschieben-Modus. Mit der Maus klicken Sie den Draht in der Mitte an und halten die Maustaste, um ihn nach oben oder unten zu verschieben. Klicken Sie auf die Drahtenden, um die Länge zu korrigieren. Anschließend sollte der Draht 10m lang sein und horizontal betrachten genau Mittig auf der Arbeitsfläche erscheinen.

Nun fügen wir dem Element etwas Energie zu und bestimmen damit den Speisepunkt, schließlich ist das unser gespeistes Element. Dazu klicken Sie rechts neben dem Draht-Button auf den Button „V/I-Sources“ und danach auf „Add“. Klicken Sie mit der Maus an beliebiger, freier Stelle auf die Arbeitsfläche und halten die Maustaste gedrückt. Ein roter Kreis „klebt“ an der Maus - die Spannungsquelle. Schieben Sie ihn genau in die Mitte des Drahtes und lassen die Maustaste los. An den Einstellungen zu „V/I-Sources“ rechts unten im Fenster ändern wir nichts.

Jetzt fügen wir dem gespeisten Element eine Last hinzu. Der Button für „RLC-Loading“ zeigt im Symbol Widerstand, Spule und Kondensator. Klicken Sie den Button an, danach auf „Add“, falls es nicht mehr gewählt sein sollte und klicken an beliebiger Stelle auf den Draht. Unter „Loading“ unten rechts im Fenster wählen Sie „Wire-Ld.“ und darunter „Single Wire“. Das gespeiste Element erscheint nun rot.

Sind Sie der Anleitung bis hierhin gefolgt, haben Sie einen gespeisten Dipol für das 20m-Band auf dem Bildschirm. Dem fügen wir eine Erde (engl.: ground) hinzu. Der Button ganz rechts zeigt das Erdsymbol, danach auf „Add“ klicken und als Parameter „Real ground“ und z.B. „Clay/Forest (Average)“ angeben.

Das Modell des Dipols ist nun fertig und sollte gesichert werden, z.B. als „dipol20m.nec“. Es ist angeraten, eigene Entwürfe in ein eigenes NEC-Verzeichnis zu speichern, z.B. mit dem Namen „Meine_Antennen“.

Abb.: Beam, bisher

Bild 10: So sieht der „Beam“ bisher aus: Ein Dipol für 20m mit Speisepunkt und Erde.

Lohnend ist ein 3D-Blick auf die kleine Antenne. Dazu schalten Sie von der X-Z-Ansicht mit dem Butten „3D“ auf eben diese Ansicht um. Weiterhin darf der Editor nicht im Hinzufügen-Modus sein, also ist der Pfeil-Button zu betätigen. Bei gedrückter Maustaste drehen und wenden Sie die Antenne. Unterhalb des Dipols ist das Koordinatensystem mit den drei Achsen zu sehen und nochmals darunter die als Rechteck angedeutete Erde (Bild 10).

Mit diesem – ersten –eigenen simplen Antennenmodell sollten Sie etwas „spielen“. Um das Modell NEC zu übergeben, klicken Sie im Geometrie-Editor auf den rechts angeordneten Taschenrechner-Button. Nach der Berechnung des „Far-Fields“ sollte nach kurzer Berechnungszeit im Pattern-Fenster die Richtcharakteristik der eines Dipols entsprechen. Zwischen der horizontalen und vertikalen Ansicht schaltet man im Pattern-Fenster mit Drücken der Leerzeichentaste um. Interessant ist auch folgendes: Schauen Sie sich das SWR ihres Dipols an: Ist er nicht etwas kurz geraten für das 20m-Band?

Gehen Sie zurück zum Geometrie-Editor, der sicherlich noch auf dem Bildschirm zu sehen ist. Falls nötig, laden Sie den 20m-Dipol. Reizvoll ist ein Blick auf die durch den Editor erzeugte NEC-Datei. NEC-Dateien sind simple Textdateien. Einen Blick riskieren Sie mit einem Klick auf das Menü „Show NEC“. Zurück zur 3D-Darstellung kommen Sie durch nochmaliges Betätigen von „Show NEC“ oder durch einen Klick auf die Buttons „3D“, „X-Z“ et cetera. Danach haben Sie sich eine Pause verdient.

Nach der Pause

Nachdem Sie mit dem Modell gearbeitet und sich etwas ausgeruht haben, soll aus dem Dipol ein kleiner Beam werden. Das geschieht bereits dadurch, dass ein Direktor hinzugefügt wird. Der sollte etwa sechs Meter vor dem Dipol seinen Platz finden und sagen wir einmal grob zu jeder Seite 4,75m lang sein. Schalten Sie in die X-Y-Darstellung und fügen oberhalb des Dipols einen horizontal verlaufenden Draht hinzu (Draht-Button, „Add“). Schalten Sie nach dem Zeichnen in die 3D-Darstellung, sehen Sie, dass der Direktor ganz unten auf dem Boden liegt. Hieven Sie ihn auf die Höhe des gespeisten Elementes. Das gelingt am besten in der Y-Z-Darstellung. Dort schaut man von vorn auf die Drahtenden. Mit der Verschieben-Funktion hebt man erst das eine Ende auf das Niveau des Dipols an, dabei erscheint der Direktor als vertikaler roter Strich. Dann folgt das zweite Drahtende. Ist das vollbracht, bringt ein Blick auf „3D“ zutage, ob es funktioniert hat.

Ist das ok, lohnt das Speichern der Datei, z.B. als „2el20mtr.nec“. Denken Sie bitte daran: Der Dateiname darf nicht länger als 8 Zeichen zzgl. Punkt und dreistelligem Suffix sein!

Aufgabe für Freiwillige:

Übernehmen Sie die Daten unseres Mini-Beams nach NEC und berechnen danach das SWR und die Richtcharakteristik! Die Berechnungen des Autors ergaben ein SWR von 1:2,73 bei 14,2 MHz. Die Antenne in dem jetzigen Zustand ist bei gutem SWR eher bei 15 MHz brauchbar als auf dem 20m-Band.

Abb.: 2-Ele-20mrt-Beam

Bild 11: 3-D-Ansicht des Mini-Beams.

Und so geht es: In „Main“ den Taschenrechner-Button anklicken, „Use original file“ wählen und „Generate“ anklicken. Nach kurzer Berechnung ist in „Main“ das SWR bei 14,2 MHz abzulesen. Nun das SWR bei Frequenzverlauf: Wieder den Taschenrechner-Button anklicken, „Frequency loop“ wählen und unten im Dialog den Frequenzbereich definieren. „Start“ z.B. mit 7 MHz festlegen und bei „Stop“ beispielsweise 16 MHz eintragen, dann auf „Generate“ drücken. Der PC rechnet etwas länger und stellt schließlich die SWR-Kurve dar. Der zu hoch in der Frequenz liegende Resonanzpunkt, erkennbar an dem geringsten SWR, deutet auf die zu kurze Antenne hin. Wenn Sie möchten, geben Sie im Geometrie-Editor allen Drahtenden auf jeder Seite je 5 cm hinzu und schauen, wie sich die SWR-Kurve verändert. Bild 11 zeigt, wie die Antenne inzwischen ausschaut.

Berechnet man dazu das Fernfeld (engl.: Far Field), sieht man, dass der Direktor bereits seine Wirkung zeigt: Das vertikale Richtungsdiagramm zeigt eine leichte Richtwirkung.

Abb.: 3-Ele-20mtr-Beam

Bild 12: Der 3-Element 20m-Beam. Die Bögen über den Elementen stellen den Stromverlauf dar.

Und der Reflektor

Ein richtiger Beam braucht einen Reflektor, und der kommt jetzt an die Reihe. Grob geschätzt, soll der Reflektor in der X-Y-Darstellung fünf Meter unterhalb des gespeisten Elementes zu sehen sein und eine – wiederum grob geschätzt – Länge von 5,25 M zu jeder Seite haben, also von –5,25 m bis +5,25 Meter. Kurz, das Ding ist insgesamt 10,5 m lang. Haben Sie die bisherigen Schritte durchgeführt, sollte das nun ohne detaillierte Beschreibung machbar sein. Bild 12 zeigt, wie der kleine Beam inzwischen aussieht. Die Bögen über dem Beam stellen die Stromverteilung auf den Drähten dar, die man über das Menü „Current“, Funktion „Currents magnitude“ einblendet.

Die Optimierung

Halten wir fest: Wir haben eine nec-Datei (3el20mtr.nec) erstellt, die einen Beam darstellen soll, der in Zukunft auf dem 20m-Band werkeln soll. Leider ist dieses Antennengebilde weit davon entfernt, überhaupt auf dem 20m-Band resonant zu sein. Wir können nun im Verfahren „Versuch und Irrtum“ willkürlich Längen der Elemente verändern, in diesem Fall verlängern und neu berechnen. Bessere Resultate wird eine Optimierung per 4NEC2 bringen. Da gibt es nur einen Haken: Die mit dem Geometrie-Editor erstellten NEC-Dateien eignen sich ohne Änderung nicht für eine Optimierung. Was also tun: Das simpelste ist, die NEC-Datei in einen Texteditor zu laden und die nötigen Änderungen von Hand vorzunehmen. Genau das wird im folgenden beschrieben.

Die bisher generierte NEC-Datei des 3-Element-Beams sieht derzeit so aus:

CE
GW	1	20	-5	0	7.5	5	0	7.5	1.e-3
GW	2	19	-4.75	3	7.5	4.75	3	7.5	1.e-3
GW	3	21	-5.25	-2.5	7.5	5.25	-2.5	7.5	1.e-3
GE	0
EX	0	1	10	0	1	0
GN	2	0	0	0	13	5.e-3
FR	0	1	0	0	14.2	0
EN

Interessant sind lediglich die GW-Zeilen. GW bedeutet „Generate Wire“. Hier sind also die drei Elemente mit ihren Koordinaten definiert. Wie anfangs erwähnt, benötigt eine Optimierung Variablen (= Symbole). Die werden in die NEC-Datei als Zeile eingefügt, die mit den Buchstaben „SY“ beginnt. Danach folgt der frei wählbare Name der Variablen, ein Gleichheitszeichen und schließlich der Wert. Vom gespeisten Element wissen wir, dass es sich von –5m bis +5m erstreckt. Dann sieht für die Elementlänge des gespeisten Elementes die Zeile wie folgt aus:

SY len = 5.0

Nun müssen wir in der Definition des gespeisten Elementes, also die Zeile mit „GW“ an Anfang den Wert von 5 durch die definierte Variable ersetzen. Dabei müssen vorhandene Minuszeichen erhalten bleiben! Aus „–5“ wird also „-len“. Damit haben wir eine Möglichkeit geschaffen, die Länge des gespeisten Elementes optimieren zu können. Das reicht jedoch noch nicht aus, denn auch der Direktor wie auch den Reflektor sollten in die Optimierung einbezogen werden. Um es nicht zu kompliziert zu machen, bleiben die Abstände zwischen den Elementen unverändert erhalten. Kurz und gut, die neue NEC-Datei sieht danach so aus:

CE
SY len=5.0
SY len2=4.75
SY len3=5.25
GW	1	20	-len	0	7.5	len	0	7.5	1.e-3
GW	2	19	-len2	3	7.5	len2	3	7.5	1.e-3
GW	3	21	-len3	-2.5	7.5	len3	-2.5	7.5	1.e-3
GE	0
EX	0	1	10	0	1	0
GN	2	0	0	0	13	5.e-3
FR	0	1	0	0	14.2	0
EN

Diese NEC-Datei lassen Sie nun auf 4NEC2 los. Nach dem Laden der Datei in „Main“ starten Sie den Optimierer. Dort wählen Sie die drei Variablen „len“, „len1“ und „len2“ aus, die daraufhin in das Variablenfeld „Selected“ übernommen werden. Unter „Weightning Factors“ klicken Sie einmal in das Feld „SWR“ und „Gain“ deren Werte sich von Null in „100“ - gemeint sind Prozent - ändern und bestimmen damit das Ziel der Optimierung: ein gutes SWR und einen möglichst maximalen Antennengewinn. Die Optimierung beginnt mit einem Klick auf „Start“. Nun ist Zeit für eine Tasse Kaffee.

Abb.: SWR nach Optimierung

Bild 13: SWR des kleinen Beams nach der Optimierung über die Länge der Elemente.

Nach erfolgter Optimierung sichert man das Ergebnis in eine neue NEC-Datei mit „Update NEC File“. Die Dateibox poppt auf, unter neuem Namen wird gespeichert. Der Optimierer kann geschlossen werden. Anschließend lädt man die optimierte Datei in „Main“ und führt – etwas fürs Auge – eine Berechnung „Frequency loop“ aus. Bild 13 beweist, dass man den Beam mit den optimierten Maßen im 20m-Band jetzt ohne Antennentuner nutzen kann.

Das ganze Gebilde lässt sich weiter optimieren, schließlich sind die Elementabstände ein interessanter Aspekt. Aber diese Fummelei in der NEC-Datei überlasse ich gerne der geehrten Leserschaft. Ich hoffe, Sie haben ebenso viel Spaß an 4NEC2 wie ich beim Experimentieren mit diesem Programm. Gut DX!

Zurück

Copyright Michael Wöste